23. Februar 2016

[Renzension] Es wird keine Helden geben


http://www.oetinger.de/buecher/jugendbuecher/alle/details/titel/3-7891-4746-X/17120/30072/Autor/Anna/Seidl/Es_wird_keine_Helden_geben.html  http://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/es_wird_keine_helden_geben/anna_seidl/EAN9783789147463/ID37905782.html  http://www.amazon.de/gp/product/378914746X/ref=as_li_qf_sp_asin_il_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=378914746X&linkCode=as2&tag=sognatrice-21
 


(Klapptext)
Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin auf das Jungenklo. Als sie sich aus ihrem Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Rettung zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr bislang so unbeschwertes Leben.

Ich muss sagen, dass es mir sehr gut gefällt. Einerseits ist es schlicht, da nur Typografie zu sehen ist, andrerseit sticht es durch die Farben und Größe der Schrift sofort ins Auge. Die übergroßen Buchstaben haben auch, wie ich finde, etwas bedrohliches und passen daher gut zum Thema Amoklauf. 





Also erst mal möchte ich der Autorin meinen größten Respekt aussprechen, sich nicht nur mit 16 (in dem Alter hat sie das Bucg geschrieben) daran zu wagen ein Buch zu schreiben, sondern sich auch mit solch einem schwierigen Thema auseinander zu setzten. Zwar muss ich ehrlich bleiben mit meiner Bewertung, aber es ist dennoch bewundernswert.

In den Buch geht es um die Schülerin Miriam und wie sie den Amoklauf an ihrer Schule zu verarbeiten versucht. Der Amoklauf selbst wird bereits auf den ersten 10 Seiten sehr anschaulich geschildert. Die Angst, Panik und Hilflosigkeit bringt die Autorin sehr gut rüber. Hier dachte ich noch, das wird ein richtig gutes Buch werden. Leider konnte mich der Rest dann nicht mehr so überzeugen.
Das Buch behandelt vorrangig Miriams Verarbeitung des Amoklaufs. Verständlicherweise ist sie vom Geschehen traumatisiert und findet sich nur schwer in der Zeit danach zurecht. Die Art und Weise wie sie mit der Situation umgeht, ging mir jedoch gehörig auf die Nerven. Sicher, ich habe glücklicherweise keinen Erfahrung mit Amokläufen (das wird wohl auch kaum ein Leser bez. die Autorin haben) und jeder Mensch reagiert anders auf traumatische Erlebnisse, aber Miriams Egoismus und ihre pure Sturheit kratzen arg an meinen Nerven.
Die ganze Zeit schlägt sie um sich und jammert rum, dass ihre Familie sie nicht in Ruhe lässt. Sie hat jedoch keinem auch nur mit einem Wörtchen gesagt, dass sie lieber allein sein möchte. Ich mein niemand ist Gedankenleser. Woher soll ihre Familie denn wissen,dass Miriam nicht reden will, wenn sie es ihnen nicht sagt. Es gibt ja schließlich auch Menshcen die erst recht reden wollen, wenn sie Probleme haben.

Ein weiterer Punkt, mit dem ich meine Probleme hatte, war die Darstellung von Miriams Alter. Sie ist 15 und verhält sie größtenteils auch eben wie ein 15 jähriges pubertierendes Mädchen. Soweit, so gut. Doch dann schilert die Autrin plötzlich Sachen, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Miriam betrachtet in einer Szene Fotos aus den vergangen Jahren, u.a das von einer Party und sagt, dass das die Party war wo sich sie das erste mal abgeschossen hat, yeah. Auch mit ihrer Mutter trinkt sie fröhlich Wein (fragt aber erst nach Wodka) und niemand findet was dabei. Nebenbei war es auch toootaal problematisch mit 14 noch Jungfrau zu sein. Ähm, Hallo ?????
Und jetzt kommt mir nicht mit „Die Jugend von heute ist eben so“ Klar gibt es Kids bei denen das so ist, aber Miriam kommt aus gutem Hause und geht ans Gymnasium. Ich selbst bin auch auf eins gegangen und so was gab es bei uns nicht. Auf er anderen Seite gibt es dann wieder Stellen wo Miriam in ihrer Gedankenwelt wie eine 12 Jährige rüberkommt,.

Ihr seht also schon Miriam ist ein schwierig zu ertragener Charakter. Aber hey, immerhin müsst ihr eure Nerven nur mit ihr allein belasten, denn sämtliche Nebencharaktere sind im Grunde nur Pappfiguren, damit Miriam nicht nur mit sich selbst redet.

Als Leser hofft man, wenigstens über eine Pappfigur, nämlich den Täter Matias etwas mehr zu erfahren, aber Pustekuchen. Es gibt zwar immer wieder Rückblenden, in denen noch beschrieben wird wie Matias gemobbt wird, aber so wirklich erfährt man über den Hintergrund der Tat nichts. Auch nicht wie andere mit dem Amoklauf umgehen. Das Buch dreht sich nur um Miriam, Miriam und nochmals Miriam.

Dabei wirft die Gute einen auch noch etliche Lebensweisheiten an den Kopf, die sich teils selbst widersprechen. Kennt ihr diese Kalender, die jeden Tag so ne Weisheit präsentieren, die alle suuper tiefgründig und suuper philosophisch sind? Ich kam mir beim Lesen vor, als hielte ich genau so ein Ding in der Hand. Auf´fast jeder Seite gibt Miriam irgendeinen pseudophilosophischen Satz von sich. Das füllt dann auch ordentlich die Seiten, da ja handlungstechnisch gar nicht so viel passiert.


Das Buch beschäftigt sich mit einem wichtigen Thema, konnte den Leser aber aufgrund der schwierigen Protagonisten, nicht dafür sensibilisieren. Schade





Kommentare:

  1. Huhu,
    Das Buch steht bei mir schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste. Miriam scheint aber wirklich ein schwieriger Charakter zu sein, vielen Dank für deine Rezension, ich werde mir das mit dem Buch wohl mal nochmal überlegen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht erstmal in der Bibliothek ausleihen?
      Viele waren ja auch sehr begeistert. Ich denke was bei mir noch hinzu kam: Ich habe bereits "Die Hassliste" von jennifer Brown gelesen, das ebenfalls die Themen Amoklauf, dessen Verarbeitung und die Frage der Schuld behandelt und das auf sehr hohem Niveu. Wirklich klasse gemacht.
      Da habe ich natürlich unweigerlich einen Vergleich gezogen.

      Die Hassliste steht auch schon oben auf meiner Planung für den Re-Read Mai und dann kommt auch endlich eine Rezension, die das Buch verdient hat =)

      Löschen