29. Mai 2016

Classic Time: Der Ausflug der toten Mädchen von Anna Seghers

Hallo, ihr Lieben, willkommen zu einer neuen Kategorie: Classic Time.
Ich finde ja Klassiker sind schwer zu rezensieren. Wer bin ich schon, zu sagen Faust sie doof, weil ich es nicht mochte, wo es doch eines der größten literarischen Werke unseres Landes ist.
Daher werde ich Klassiker nicht in meiner üblichen Form rezensieren, sondern sie einfach vorstellen und ein bisschen darüber schreiben. Ein bisschen Hintergrund, ein wenig was von der Handlung und natürlich auch was ich gut fand, denn ihr könnt davon ausgehen, dass ich nichts vorstelle, was mir nicht auch gefallen hat.


http://www.aufbau-verlag.de/index.php/der-ausflug-der-toten-madchen.htmlBeginnen möchte ich mit der Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ von Anna Seghers.
Anna Seghers ist den meisten bestimmt ein Begriff, wobei den meisten das Buch „Das Siebte Kreuz“ einfallen dürfte. Heute geht es aber um die etwas unbekannte, aber nicht weniger eindringliche Erzählung von ihr.
 
Die Erzählung wird von Anna Seghers, kurz Netty genannt selbst erzählt. Sie befindet sich in Mexiko im Exil. An einem sonnigen Tag erinnert sie sich zurück an einen Schulausflug, den sie mit ihrer Klasse gemacht hatte. Und während sie sich nacheinander an jedes einzelne Mädchen aus ihrer Klasse an diesem Tag erinnert, ruft sie sich ebenfalls deren Schicksal im NS-Regime und im II. Weltkrieg ins Gedächtnis. Der Titel „Ausflug der toten Mädchen“ suggeriert ja schon, dass kaum eine von Netty's ehemaligen Klassenkameraren überlebt.

Seghers schildert die Ereignisse dabei mit einer übberraschend nüchternen und trockenen Sichtweise, die fast schon an Galgenhumor grenzt. Das Buch wird dadurch aber nicht weniger emotional. Im gegenteil, gerade diese Nüchternheit erzeugt eine Eindringlichkeit, die ihresgleichen sucht. Es wird nichts beschönigt und das lässt den Schrecken des Krieges realer wirken. Dies ist keine glückliche Geschichte und auch kein Stoff für gemütliches Abendlesen. Aber es ist ein Buch, dass im gedächnis bleibt und beschäftigt.


 
Anna Seghers, (bürgerlich Netty Radványi, geboren Reiling) ist am 19.11. 1900 geboren und besuchte ab 1910 die höhere Mädchenschule in Mainz.An dieser Schule machte sie den Ausflug, der später Gegenstand ihrer teils autobiografischen Erzählung werden sollte.

1925 heiratete sie den jüdischen Soziologen László Radványi. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden ihre bis dato erschienen Bücher öffentlich verklärt und verbrannt. Kurz darauf floh die Familie über die Schweiz nach Frankreich. Mit dem Einmarsch der Nazis in Paris wurde jedoch ihr Mann gefangen genommen und ins Lager Le Vernent gebracht. Nach dessen Freilassung floh die Familie 1941 über die USA nach Mexiko-Stadt. Dort entstand, neben dieser Erzählung, dessen Rahmenhandlung auch dort spielt, auch ihr weltberühmtes Buch Das Siebte Kreuz.

1947 kehrten sie nach Berlin zurück und engagierte sich zeitlebens für den Frieden. Am 1. Juni 1983 stirbt sie in Ost-Berlin.

Übrigens: Das Bild, dass der aktuellen Asgabe als Cover dient, wurde 1914 von August Macke gemalt und heißt "Mädchen unter Bäumen"




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