16. Januar 2017

Classic Time: Überredung

Hallo, ihr Lieben, willkommen zu einer neuen Episode von Classic Time.
Ich finde ja Klassiker sind schwer zu rezensieren. Wer bin ich schon, zu sagen Goethes' Faust sei doof, weil ich es nicht mochte, wo es doch eines der größten literarischen Werke unseres Landes ist?
Daher werde ich Klassiker nicht in meiner üblichen Form rezensieren, sondern sie einfach vorstellen und ein bisschen darüber schreiben. Ein bisschen Hintergrund, ein wenig was von der Handlung und natürlich auch was ich gut fand, denn ihr könnt davon ausgehen, dass ich nichts vorstelle, was mir nicht auch gefallen hat.

Dieses mal mit:



Seit ich Stolz und Vorurteil (Hier kommt bestimmt auch irgendwann noch ein Classic Time) aus einer gelinden Neugierde über den Weltliteraturstatus heraus gelesen habe, habe ich mir die Jane Austen Romane in den Second Hand Bücherläden zusammengesammelt. Es folgten Emma udn Mansfield Park, die mich aber im vergleich enttäuschten udn ich ließ Austen erstmal wieder ruhen. Die Stadt, land Fluss Challenge bot mir dann Gelengenheit es wieder zu versuchen und was soll ich sagen? Ich bin hin und weg.

Worum geht es ?

Anne Elliott and Henrietta Musgrove from Jane Austen's Persuasion:
Anne Elliot und Henrietta Musgrove
Acht Jahre ist es her, dass Anne Elliot zweite Tochter des eitlen und auf standesgemäßen Umgang bedachten Baron Sir Walter Elliot sich von ihm und ihrer Freundin Lady Russel überreden ließ, den Heiratsantrag ihrer großen Liebe Mr. Wentworth abzulehenen. Denn zu diesem Zeitpunkt war dieser ein mittelloser Seeman bei der Marine. In den folgenen Jahren lebt sie nun trostlos und mit gebrochenen Herzen, bis es zum unerhofften Wiedersehen kommt. Und Mr. Wentworth ist nun Kapitän Wentworth mit einem ansehnlichen Vermögen. Doch er hat die Abfuhr von Anne nicht vergessen ...







Meine Meinung

Ach ja, die Liebe. Was wären wir ohne sie? In den Austen Romanen geht es immer um die Liebe und darum den Angetrauten fürs Leben zu finden. Dass dabei der englische Landadel auch nur Menschen sind, beweist Jane Austen in ihren Büchern immer wieder aufs Neue.

Anne ist eine Protagonisten, die im Vergleich zu den anderen Austen Heldinnen etwas aus dem Rahmen fällt. Die erste Auffälligkeit ist das Alter: Während Elizabeth Bennet und die Anderen zwischen 17 und 20 Jahre alt sind, ist Anne mit ihren 27 Jahren deutlich älter. Das merkt man ihr auch an. Mit wachem Verstand aber auch mit einer gewissen Resignation, fast schon Verdruss die der jugendliche Naivität gegenüber steht, beobachtet sie ihre Umgebung. Acht Jahre des trostlosen Lebens in einer Familie, die sie lediglich als Anhängsel betrachtet haben Anne schwer zugesetzt. Sie hat ihre jugendliche Blüte verloren, tanzt nicht und während Austens bisherigen Heldinnen das Leben noch vor sich hatten, hat Anne es gefühlsmäßig schon hinter sich.


None of us want to be in calm water all our lives:
Der Ton in diesem Buch ist daher zunächst gedämpfter und etwas melancholischer. Nichtsdestotrotz beweist Anne erstaunliches Feingefühl,Verstand und eine schier endlose Geduld im Umgang mit ihren Mitmenschen. Sei es ihre egoistische Schwester Mary oder der aufdringliche Mr. Elliot. Ihre liebenswürdige Art gemischt mit der Reife machen aus Anne eine Protagonistin, die mir sehr schnell ans Herz gewachsen ist.



Was ich an Austens Romane am meisten liebe (und bei Mansfield Park und Emma etwas vermisst habe) ist die Gesellschaftskritik und Ironie zwischen den Zeilen. Annes Vater und ihre Schwester Elisabeth sind hoffnungslos selbstverliebt, eitel und schätzen ihre eigene Bedeutung völlig überhöht ein. Ihr pompöses Gehabe um die eigene Person ist dabei eine deutliche Spitze gegen den Adel, der sich zu wichtig nimmt. Und auch sonst sind Annes gedankliche Anmerkungen was ihre Mitmenschen angeht zwar stets höflich, doch auch mit der ein oder anderen Kritik und Spitze versehen. Ich liebe diesen Witz zwischen den Zeilen.

Auch die Handlungsorte waren diesmal sehr interessant. Neben dem Heimatort Kylnch spielen auch der Seeort Lyme und Bath eine große Rolle. Ich liebe Bath sehr, besonders die Bäder sind toll und immer ein Besuch wert.
The Cobb, Lyme Regis. Louisa Musgrove falls off those stairs at Lyme Regis in Jane Austen’s Persuasion, and is concussed - so mind how you go! Distance from Shaftesbury to Lyme Regis is 53 miles.:
Die berühmte Treppe an der Hafenwallanlage (cobb) von der Luisa Musgove heruntergefallen ist..
Camden Crescent Bath 2.jpg
Camden Place in Bath. Das neue Zuhause der Elliots

 

Hintergrund zum Buch und Autor

Überredung (eng. Persuasion) ist der letzte der großen Austen Romane. Sie hat ihn 1815-1817geschrieben, als sich bei ihr selbst schon die Krankheit bemerkbar machte, die ihr noch im selben jahr das Leben kosten sollte (heute vermutet man, dass es  such um Nebennierenrindeninsuffizienz gehandelt hat)
Die veröffendlichung des Romans 1818 erlebte die Autorin nicht mehr. Vielleicht ist das mit ein grund, warum Anne Elliot soviel älter und reifer als ihre "Kolleginien" ist. Wer weiß.

Wie alle Austen Romane wurde auch Überredung in dutzende Sprachen übersetzt



Jane Austen coloured version.jpgJane Austen wurde a. 16.12.1775 in Hampshire, als siebtes von acht Kindern geboren. Sie wuchs wohlbehütet in bürgerlichen Verhältnissen auf. Durch die Herkunft ihrer Mutter hatte die Familie Kontakt zum Landadel und der sogenannten "guten Gesellschaft" ,  ihr Vater war Geistlicher.
Sie erhielt eine für damalieg Verhältnisse sehr umfangreiche Ausbildung und war sehr belesen.

Im Alter von 12 probierte sie sich erstmals mit Gedichten und kleineren Erzählungen aus. 1801 zog Jane Austen gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester nach Bath, wo sie bis 1806 lebte.Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1805 zogen Jane Austen, ihre Mutter und ihre Schwester zunächst mit ihrem Bruder Francis und seiner Frau nach Southampton.

Jane Austen signature from her will.svg Jane Austen hat nie geheiratet. Einen Heiratsantrag von Harrison Bigg Wither hatte sie im Jahr 1802 abgelehnt. Sie starb am 18. Juli 1817 in Winchester.





1 Kommentar:

  1. Ich find das Format klasse, ich habe mich auch voll schlecht gefühlt, als ich Kafkas Prozess rezensiert habe und irgendwie hab durchhängen lassen, dass ich es gehasst habe :D Ich habe auch ein paar Klassiker auf meinem SuB liegen, vielleicht behandle ich die Rezensionen ja ähnlich wie du diesem Format :)

    Liebst, Lara.

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