24. Januar 2017

Let's talk about books: Leseratte, Schwarte und co. Was Schweineschinken mit Büchern zu tun hat.


Willkommen meine eifrigen Leseratten und Bücherwürmer. Habt ihr euch jemals gefragt, woher die eigentlich wenig schmeichelhaften Begriffe Wurm und Ratte kommen? Warum ein dickes Buch Schwarte heißt und man Bücher aufschlagen muss? 
Dann ist heute euer Glückstag und eure Wissensdurst wird endlich gestillt, denn ich habe mich auf die Suche gemacht und fortan wird die Herkunft dieser Begriffe kein Buch mit sieben Siegeln mehr sein ;)


File:Wachstafel.jpg
röm. Wachstafel aus Holz
Bevor wir zu den ganzen Umgangssprachlichen Bezeichnungen kommen, woher kommt überhaupt das Wort Buch?  Wie bei so vielen Wörter ist man sich mit der Herleitung nicht sicher.
Die Goten hatten den Begriff boka, was soviel wie Runenzeichen/Buchstabe heißt. In der Mehrzahl bokos war dann eine Ansammlung von Buchstaben und Wörtern, eben ein Buch gemeint. Eine andere Herleitung rührt vom Baum Buche her. Die Germanen könnten die röm. Wachs und Holztafeln einfach nach dem entsprechenden Holz benannt haben. Da sie selbst diese wohl wenig bis gar nicht nutzten war es auch nicht so wichtig diesen ein eigenes Wort zu geben.


Und was machen wir mit Büchern ? Klar wir lesen sie.
Das Wort lesen kommt vom lateinischen legere. Das kann man mit sammeln, ordnen, aber auch "einer Spur folgen" übersetzen. Wir ordnen/sammeln also die Buchstaben bez. folgen ihrer Spur um den Sinn des Textes zu verstehen.

 
Buch mit Metallverschluss
Bevor wir aber loslegen, müssen wir das Buch erst einmal aufschlagen.
Aber moment, warum schlagen? Gewöhnlich gehen wir doch mit unseren Büchern sorgsam und liebevoll um (Wenn es nicht gerade das Mathebuch ist).
Auch wenn wir es heute nicht mehr tun müssen, ist dieser Begriff wörtlich zu nehmen. Früher waren Bücher sehr wertvoll und das Binden war teuer. Da wollte man selbstverständlich, dass das Buch lange hält. Damit das Buch trotz Feuchtigkeit und dem Abstellem im Regal ohen Knicke und Risse blieb, versah man Bücher häufig mit zwei Metallschanieren mit kleinen Hacken. Die schnellste Möglichkeit diese zu öffnen, war in er Tat ein kräftiger Schlag auf den Buchdeckel.

Das waren eben echt dicke Schinken, Schwarten und Wälzer damals
Die ersten beiden Begriffe kennen wir auch als den Schinken bez. die Schwarte vom Schwein und da kommen sie auch her. Sie beziehen sich auf das Schweinsleder, in das die Bücher damals am häufigsten gebunden waren. Auch beim Wälzer ist die Herkunft einfach. Es bezeichnet ein Ding, das so schwer ist, dass man es nur durch wälzen fortbewegen kann wie z.B ein richtig dickes schweres Buch.

Und wenn ich es mir gemütlich machen will, lese ich einen tollen Schmöker
Dieser Begriff stammt von diesen Herren:




Das sind Studenten des 18. Jahrhunderts. Und aus deren Umgangssprache soll der Schmöker stammen. Das Wort schmökern bedeutete rauchen z.B eine Pfeife. Warum man nun Bücher so bezeichnete, da gibt es zwei Vermutungen:
1. Auch hier im Sinne von Räucherschinken auf das Leder bezogen.
oder
2. Ursprünglich negativ, im Sinne von: dieses Buch ist so schlecht, seine Seiten eignen sich nur noch als Anzünder zum schmökern/rauchen.
 

Aber als wahre Bücherwürmer und Leseratten würden wir so etwas natürlich nie mit einem Buch machen.
http://www.frielingsdorfer-buecherwurm.de/s/cc_images/cache_5145994.jpg?t=1384943240Würmer und Ratten sind ja eigentlich wenig schmeichelhaft und auch die Bezeichnungen Bücherwurm und Leseratte waren ursprünglich als Beleidigung gedacht. Für das einfache Volk galt lesen damals als unnütze Zeitverschwendung, die einem davon abhielt, etwas "anständiges" zu tun. Leute, die also ständig ihren Kopf in Büchern steckten wurden abfällig als Bücherwurm und Leseratte bezeichnet.
Heute werden diese Bezeichnungen aber zum Glück ja nicht mehr negativ aufgefasst :)

Keine Ahnung wie jemand lesen für unnütz halten kann. Das ist wirklich Ein Buch mit sieben siegeln für mich.
Die Redewendung "Ein Buch mit sieben Siegeln" drückt aus, dass eine Sache oder auch eine Handlung für jemanden ein Rätsel, also undurchschaubar und unverständlich ist.
Das Sprichwort stammt aus der Bibel und bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament. Dort wird ein ebensolches Buch mit sieben Siegel beschrieben und nur wer würdig ist, darf es öffnen. Jesus Christ ist der einzige der es zu öffnen vermag und das lösen der Siegel löst letztendlich die Apokalypse udn das darauf folgende "Weltreich Gottes" aus. Für alle anderen jedoch ist das Buch undurchschaubar, sie wissen nicht was drin steht. Es bleibt eben ein Rätsel für sie.

 Ich hoffe euch hat diese kleine "Lehrstunde" gefallen. War etwas Neues für euch dabei?


1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Sandra,
    ich bin eben über LovelyBooks auf deinen Blog gestoßen und hier in deinem tollen Beitrag hängen geblieben. Besonders die Erklärung über das Aufschlagen eines Buches fand ich interessant, ebenso wie die Herkunft der Wörter "Schmöker", "dicker Schinken" und "Wälzer". Dass man Bücher auch als "Schwarte" bezeichnet, habe ich bisher aber noch gar nicht gehört. ;) Aber das klingt alles wirklich sehr einleuchtend.
    Sehr lesenswert fand ich auch den Absatz über die Herkunft der Leseratte und des Bücherwurms - wer hätte gedacht, dass diese Ausdrücke damals abwertend benutzt wurden?

    Also für mich war alles neu, was ich eben gelesen habe. Vielen Dank für diesen Beitrag, ich werde ihn gerne auf Google und Twitter teilen, der ist echt lesenswert! :) Und als eine neue Leserin bleibe ich selbstverständlich auch gerne hier.

    Alle Liebe ♥,
    Janine aus Meine Welt der Bücher

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