8. Juni 2018

Let's talk about books: Jugendschutz bei Büchern? Ein paar Gedanken.


Wer erinnert sich noch an das Erscheinen von Paper Princess vor gut einem Jahr? Damals gab es in der Bloggerwelt einen Aufschrei, dass dieses Buch als Jugendbuch vermarktet wurde. Schnell bildeten sich harte Fronten und die ganze Diskussion eskalierte etwas, wenn ihr mich fragt.

Da ich selbst vor kurzem Altersempfehlungen bei meinen Rezensionen eingeführt habe, kam ich wieder auf dieses Thema und möchte nun ein paar Gedanken dazu loswerden.



Bei Filme, Serien und Games erschient es uns vollkommen normal: In der unteren Ecke finden wir das FSK Siegel, dass das betreffende Medium ab 0, 6, 12, 16 oder 18 freigibt., damit Kinder und Jugendliche keine Spiele, oder Filme mit übermäßiger Gewalt oder sexuellen Inhalten in die Finger bekommen. Soweit so gut. Doch wie sieht es bei Büchern aus? Nicht erst seit Paper Pricess brandet diese Diskussion auf. Auch schon bei den Hypes um Die Tribute von Panem oder Fifty Shades of Grey kam Vielen der Gedanke, dass vielleicht auch Bücher dem Jugendschutz unterliegen sollten. Doch warum gibt es bisher eigentlich keine Altersfreigaben?

Jugendschutz bei Büchern aktuell.

Bücher haben keine Altersfreigabe, da sie als Printmedien nicht dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag für Telemedien unterliegen. Doch dass es bei Büchern gar keinen Jugendschutz gibt, ist auch nicht ganz richtig. Denn es gibt da immer noch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kurz BPjM. 

Wie der Name schon sagt prüft sie verschiedenste Medien, darunter auch Büchern, Musik und anderes auf jugendgefährdende Inhalte. Liegt eine schwere Jugendgefährdung vor, kommt das betreffende Medium auf die sogenannte Liste der jugendgefährdenden Medien, umgangssprachlich auch Index genannt. Diese Medien dürfen fortan Kinder und Jugendlichen nicht mehr zugänglich gemacht werden, es herrscht ein Werbeverbot und der Verkauf im Einzelhandel und Versandhandel ist stark eingeschränkt.
Gründe um auf die Liste zu kommen sind u.a. Volksverhetzung, Kriegsverherrlichung, Menschenwürde verletzende Realdarstellungen, Kinder/Jugend Pornografie, und die Darstellung von Kinder oder Jugendliche in unnatürlicher, geschlechtsbetonter Körperhaltung.

► Mehr Infos findet ihr unter der Homepage der BPjM

Ein etwas spezieller Fall sind E-Books, da sie als Telemedien gelten. 2015 waren die Medien rund um die Buchbranche in Aufruhr, da es hieß E-Books dürften künftig nur noch nachts zu bestimmten Zeiten veröffentlicht werden, oder würden bald ebenfalls eine FSK Zertifizierung bekommen. Diese Gerüchte haben sich aber als unwahr herausgestellt.

► Hier in einem Artikel des Börsenblattes erfahrt ihr mehr über die Debatte und die Richtigstellung der Sachlage.

Doch ist das genug?

Ja ist das genug? Das ist die entscheidende Frage und hier scheiden sich die Geister. Die einen sagen: „Ja auch Bücher müssen verbindlich mit Altersfreigabenversehen werden“. Die Befürworter dieses Ansatzes argumentieren, dass Kinder und Jugendliche durchaus auch von den Bildern, die beim Lesen von Horror- oder Erotik Romanen im Kopf entstehen traumatisiert werden könnten. Sollten unsere Bücher also künftig so aussehen?:


Meine Antwort wäre nein. Im Gegensatz zu visuellen Inhalten, wo man ein fertiges Bild detailreich geliefert bekommt, hängt der Einfluss von Büchern, meiner Meinung nach stark von individuellen Eigenschaften und Erfahrungen des Lesers ab. Manche Jugendliche sind mit 16 geistig schon sehr reif und vernünftig, andere lassen sich wiederum leicht beeinflussen oder haben aufgrund von Vorerfahrungen Probleme mit einzelnen Themen. Das ist ja alles auch weder gut noch schlecht, sondern eben das normale Leben, allerdings erschwert dieser Umstand eine pauschale, verbindliche Altersfreigabe.

Also sollte besser alles bleiben wie es ist?

Auch hier würde ich wiederum verneinen,  denn während ich eine gesetzlich verbindliche Altersfreigabe für nicht angemessen halte, so fände ich doch eine Altersempfehlung sinnvoll. Ich persönlich habe bereits mit 14 Black Dagger gelesen (ursprünglich mehr aus Versehen) und es hat mir nicht geschadet, aber ich würde es dennoch nicht jeder anderen 14 Jährigen in die Hand drücken. Und auch einen Chris Carter mit den ausgeprägten Gewaltdarstellungen würde ich nicht ohne Weiteres an Jugendlichen aushändigen.

Nun kann man natürlich argumentieren, dass es Aufgabe der erziehungsberechtigen ist zu kontrollieren, ob der Lesestoff dem Alter angemessen ist. Doch kann man wirklich von Eltern, Großeltern und Verwandten verlangen jedes Buch erst einmal vorzulesen?. Denn bei manchen Büchern sagen die Covergestaltung und der Klapptext nicht viel darüber aus, ob das Buch kindgerecht ist oder nicht. Bestes Beispiel sind die Harry Potter Bücher, sie sehen von der Gestaltung alle kindlich aus, aber ist der sechste oder siebte band schon etwas für einen Sechsjährigen?

An dieser Stelle wäre es schön, wenn es mehr Altersempfehlungen auf den Büchern vermerkt gäbe und zwar nicht nur im Kinderbuchbereich um die Verkaufszahlen anzukurbeln, sondern eben auch bei Erotik oder Horrorbüchern.
So können Eltern besser einschätzen ob ein Buch geeignet ist oder nicht und wenn der vierzehn jährige Sohn eben schon gut mit einem Stephen King klarkommt, ist das dann ja auch ok. Eltern kennen ihre Kinder ja am besten, doch man sollte ihnen die Einschätzung des Lesestoffs erleichtern. Noch dazu würden damit „Ausversehen“ Käufe verhindert werden. Ich habe schon öfters Rezensionen von jüngeren Bloggern gelesen, die zu einem Buch z.B. wie „Der Winter erwacht“, welches äußerlich wie ein harmloses Fantasy-Liebesbuch wirkt, gegriffen haben und dann von den Sexszenen gelinde gesagt überrascht waren.

Das Ende vom Lied

Zusammen gefasst möchte ich sagen, dass ich eine gesetzlich verbindliche Altersempfehlung wie die FSK für nicht angemessen halte, mir jedoch unverbindliche Altersempfehlungen wünsche. Hier müssten die Verlage mehr Verantwortung zeigen, oder auch die Politik, mit einer Verpflichtung für Verlage Altersempfehlungen kenntlich zu machen. Die Betonung liegt hier weiterhin auf unverbindliche Empfehlungen.

Nun habe ich hier gefühlt stundenlang meinen Senf dazu gegeben und ich bin echt dankbar, wenn es irgendein Leser bis hier hingeschafft hat. Jetzt interessiert es mich natürlich wie ihr dazu steht?

Sollte es mehr Jugendschutz bei Büchern geben und wenn ja wie sollte der aussehen? Verbindliche Altersfreigaben oder Empfehlungen?



Kommentare:

  1. Hi,

    ja von dem Thema hab ich auch immer wieder mal Ansätze gehört - ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich davon halten soll. Es ist einfach extrem schwierig zu differenziren welches Kind / Jugendlicher schon was "verträgt", wie du so schön schreibst: ein 14jähriger kann durchaus Stephen King lesen. Das hab ich damals übrigens auch gemacht und mir hats nicht geschadet :D
    Auch erotische Bücher hab ich gelesen - war das sinnvoll in den jungen Jahren? Keine Ahnung. Hat es mich geprägt? Das glaube ich nicht, denn die Veranlagung ist meiner Meinung nach schon da und entweder mag man das was man da präsentiert bekommt oder nicht ...

    Ich denke dabei auch immer dran, was Kinder und Jugendliche alles so im Fernsehen zu sehen bekommen, Sonntag Nachmittag oder so, da turnen welche dann halbnackt im Bett rum und solche Sachen oder "schlimme" Filme von Samstag Nacht werden wiederholt ... also bezüglich der FSK läuft ja da auch irgendwie was falsch.
    Man kann den Kindern mehr zutrauen als man denkt, meine Meinung aus meiner Erfahrung, aber es gibt immer Ausnahmen. Altersempfehlungen, wenn es Kinder/Jugendbücher sind, stehen ja z. B. bei Amazon immer dabei. Und die schreib ich dann auch immer in meine Rezensionen dazu.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja ich hab mit 14/15 auch schon Romantasy/Erotik oder Horror gelesen und es hat mir nicht geschadet, aber es ist halt nicht jeder so und es wäre schön wenn Eltern oder auch die Jugendlichen selbst beim Kauf/Ausleihen eines Buches dieses gleich besser einschätzen könnten und nicht erst beim Lesen unangenehm überrascht werden.

      LG Sandra

      Löschen
    2. Das finde ich schon auch, so ist es nicht, aber das schwierige ist eben: wie will man das einschätzen?
      Die einen sind 12 und sind eher "empfindlich", die anderen sind 12 und vertragen es gut und ohne Probleme.
      Eine Einschätzung an sich könnten sie auf jeden Fall vorne mit reinschreiben, wie gesagt, bei Amazon stehen die ja auch drin, also empfohlen ab so und so viel Jahren. Und ich glaube, das auch schon auf Verlagsseiten gesehen zu haben. Also wäre es ja eigentlich kein großer Akt, das auch ins Buch mit reinzuschreiben.

      Löschen
    3. Guten Morgen Sandra,

      ich hab deinen Beitrag heute in meiner Stöberrunde verlinkt :)

      Liebste Grüße, Aleshanee

      Löschen
  2. Ahoi Sandra,

    klasse Beitrag ^^

    Ich sehe das ähnlich wie du - ich fände es schön, wenn klarerer ersichtlich wäre, was die Zielgruppe/ AltersEMPFEHLUNG ist, aber eine FSK-Sache muss dann doch nicht sein. Ich hab recht früh angefangen, Erwachsenenromane zu lese, wo sowohl Sexualität als auch Gewalt thematisiert wurden und geschadet hat´s mir nicht. Ich und meine Eltern wussten aber auch, dass ich über Hexe Lilli hinausgewachsen war. Da wäre es dann echt unnötig gewesen, wenn ich die Bücher in der Bib nicht selber hätte ausleihen/ im Laden nicht selber hätte kaufen können, wegen eines Mindestalters.

    Wir hatten ja schon Mal über "Wenn der Winter erwacht" geschrieben, das ist wirklich einer dieser Titel, wo das Marketing meiner Meinung nach schief gelaufen ist ^^

    Liebe Grüße, Mary <3
    https://marys-buecherwelten.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, verbibdliche FSK wäre wirklich lästig und unpraktikabel.
      Und bei der Einter erwacht stimme ich dir voll zu. Hier ist das Marketing schief gelaufen. Ich hab die Rezension einer jungen Bloggerin dazu gelesen und die war komplett schokiert.

      LG Sandra

      Löschen
    2. Oh das kann ich mir vorstellen ^^ war ja auch überrascht...

      Löschen
  3. Huhu Sandra,

    ich weiß ehrlich gesagt nicht, was dagegen sprechen sollte, eine Alterempfehlung einzuführen. Ich finde die Idee sogar sehr gut. Wie du schon sagst, es ist ja keine verbindliche Angabe, sondern eine Empfehlung.
    Ich gehöre auch zu denen, die mit 12 "Carrie" von Stephen King gelesen - und geliebt - hat und es hat mir nicht geschadet. Meiner Nichte würde ich es aber zB nicht in die Hand geben. Die wird im November 13 und liest noch Sachen wie "Gregs Tagebuch". Es kommt einfach eben immer auf den Menschen an sich an.

    Aber sollte auf dem hinten auf dem Buch "Empfohlen ab 16 aufgrund von sexuellem Inhalt und Gewalt" steht, können die Käufer doch gleich viel besser einschätzen, ob es etwas für sich/den Beschenkten ist.

    Die FSK lässt sich ja auch teilweise umgehen. Soweit ich weiß, dürfen Kinder ab 12 zB Filme ab 16 gucke, wenn ein Erziehungsberechtigter dabei ist. Für mich ist das in dem Fall also auch nur eine Empfehlung, die die Eltern bewusst umgehen können.

    Liebe Grüße
    Sas

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu =)
      Ganz mein Gedanke =)

      Ich stell mir da halt auch immer die lieben Omas oder opas vor,die ihren Enkel eine Freude machen wolen, aber in dieer ganzen Kinderbuchthematik natürlich nicht ganz so drinn sind wie Eltern zum beispiel. Die lassen sich dann häufig von Zeichentrickcovern und harmlosen Klapptexten in die irre führen und beim Lesen kommt dann die Überraschung.

      Ein Hinweis auf der Rückseite wie "Empfohlen ab 14" und das Problem wäre behoben und Oma schenkt ihrer 10 jährigen enkelin "Die Tribute von panem" doch lieber erst etwas später.

      Es geht ja nicht um wahnhafte Kontrolle, sondern darum die Eischätzung zu erleichtern

      LG Sandra

      Löschen
  4. Ich gehöre klar in die Sparte die sich für Bücher Altersempfehlungen/Inhaltswarnungen wünschen würde.
    Es lässt sich eben nicht immer aus dem Klappentext herauslesen in welche Richtung manche Bücher gehen.
    Von daher sehe ich das genauso wie Sas oben schon ausführt.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Sandra,

    das ist eine Diskussion, die es irgendwie immer schon gegeben hat. Interessanterweise haben schon in der Antike die Medien die Jugend verdorben...

    Neben der FSK gibt es übrigens die USK und die ASK, die sich für Spiele bzw. Automaten kümmern. Klingt im Ergebnis ähnlich, allerdings arbeiten die etwas anders.
    Die FSK wurde übrigens schon vor geraumer Zeit aufgeweicht, so dass auch unter 12-Jährige in Begleitung von Erwachsenen in Filme gehen dürfen, die mit FSK 12 eingestuft werden, wenn das Kind mindestens sechs Jahre alt ist (ja, wir Deutschen mögen es einfach ;)).

    Außerhalb der Öffentlichkeit ist es eh den Eltern überlassen, was sie ihren Kindern zeigen und was nicht. Von daher scheint mir die Diskussion etwas müßig, ob Bücher (und Zeitschriften) wirklich eine Alterskennzeichnung haben müssen. Und ja, ich bin der Meinung, dass hier die Eltern in die Pflicht genommen werden müssen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ihre Kinder konsumieren.

    Unabhängig von der Kennzeichnung geben übrigens viele Verlage (vor allem die größeren) schon längst eine Altersempfehlung für Bücher heraus. Nur übernehmen die großen Shops wie Amazon & Co. diese für gewöhnlich nicht. Finden kann man die auf der Homepage.

    Übrigens nur so am Rande: Durch die Verwendung des Konjunktivs schwächst Du Deine eigene Meinung ab. Du würdest Dich nicht gegen eine Kennzeichnung aussprechen, sondern Du machst es ja :D


    Viele Grüße
    Der Büchernarr Frank

    AntwortenLöschen

Wichtig!
Mit der Nutzung dieser Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. (Mehr Informationen unter der Seite "Datenschutzerklärung")