[Rezension] 54 Minuten von Marieke Nijkamp

Fischer FJB || Orig. This is Where it Ends  || Einzelband || 336 Seiten
Et.: 21.09.17 || Übersetzerin: Mo Zuber ||  978-3-8414-4016-7
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(Verlagstext)
Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Wie immer ist die Rede der Direktorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.
Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Jemand beginnt zu schießen. Panik bricht aus. Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist.


Das linke Cover ist das, der broschierten Ausgabe und gleichzeitig das Originalcover, daher habe ich zum Vergleich das Cover der deutschen TB noch dazu genommen. Mir persönlich gefällt die Broschierte Version wesentlich besser. Bei der TB Version versteht man zwar worum es geht, aber es wirkt irgendwie "Stimmungslos" und langweilig. Das Andere Cover ist subtiler, dafür aber in seiner Wirkung umso mächtiger. Auch hier versteht man, worum es geht und ich finde das Bild der zerschossenen Kreiden sehr eindrucksvoll.


Bei diesem Buch wusste ich lange nicht, wie ich es bewerten soll. Das geht so weit, dass sogar in nächster Zeit noch ein eigener Blogbeitrag dazu erscheinen wird, denn mein Dilemma ist noch nicht ganz gelöst.

Ein Amoklauf, vier Perspektiven...
Aber zurück zum Buch. 54 Minuten heißt es, denn genau so lange dauert der Amoklauf an Thomas, Autums, Sylvs und Claires Highschool. 54 Minuten in denen Tyler auf seine Mitschüler und Lehrer schießt und alle Vier, aus deren Perspektiven dieses Buch geschrieben ist, haben eine Verbindung zu ihm (Eine genaue und toll gemachte Figurenkonstellation findet ihr bei Melanie liest, der Link seht unten). Am Anfang kam ich mit diesen Beziehungen etwas durcheinander, wusste nicht mehr wer nun die Schwester von wem war, aber nach einer Weile hat man sich eingefuchst.

Das Buch startet zum Glück unmittelbar vor Beginn des Amoklaufs, welcher dann auch ziemlich schnell beginnt. Dadurch wird von Anfang an ein hohes Spannungslevel angesetzt und für mich hat sich dieses, trotz so einiger Rückblicke in die Vergangenheit der Charaktere, nicht wieder gesenkt. Das Buch war für mich ein echter Pageturner, ich wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht und las das Buch in einem Rutsch durch. Lediglich Clairs Perspektive fand ich nicht so spannend, da sie sich mit Beginn des Amoklaufs außerhalb des Schulgebäudes aufhält und daher zu den Ereignissen drinnen nicht viel beizutragen hatte.

...nur Eine fehlt
Ich habe das Buch also gerne gelesen, warum dann mein Dilemma? Nun, hauptsächlich, weil eine entscheidende Perspektive fehlt: Die des Täters. Wir lernen Tyler nur durch die Erinnerungen der anderen Charaktere kennen. Wir erfahren, dass er Probleme hatte, dass er gemobbt wurde, doch nichts davon kristallisiert sich als echtes Motiv heraus. Stattdessen scheint er einfach böse zu sein. Eine fatale Beschreibung eines Amokläufers, suggeriert es doch, dass manche Menschen eben böse sind und man Amokläufe daher kaum verhindern kann. Die anderen Charaktere fragen sich auch weniger, wie hätten die Tyler frühzeitig helfen können, sondern stattdessen warum haben sie das Böse in ihm nicht gesehen?

Die entscheiden Frage ist also nun, darf ich ein Buch, dass die Hintergründe eines sensiblen Themas wie den Amoklauf  fraglich beschreibt unterhaltsam finden? Was sagt das über mich aus und was über das Buch? Darf ich ein solches Buch gut bewerten, weil ich es spannend fand? Das sind Fragen, die mich nun umtreiben und auf die ich noch keine pauschale Antwort habe und die ich demnächst mit euch diskutieren möchte. Im Falle von 54 Minuten habe ich mich letztendlich doch für eine positive Bewertung entschieden, allerdings eben, wie ihr im Fazit lesen könnt, nicht ohne Vorbehalte.


Als Schullektüre zum Thema Amoklauf ist dieses Buch völlig ungeeignet, da die entscheidende Perspektive des Täters und dessen Beweggründe fehlen. Allerdings war es für mich wahnsinnig spannend und ich habe es gerne und in einen Rutsch durchgelesen. Und wenn auch nur ein Mensch, ausgelöst durch diese spannende Lektüre doch damit anfängt, mehr über Hintergründe und die Verhinderung von Amokläufen nachzudenken, ist ja auch schon was getan.



QueerBuch             
Melanie liest           

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