[Rezension] Auslöschung von Jeff VanderMeer


Droemer Knaur || Orig. Annihilation || 1/3 || 240 Seiten
Et.:  01.03.2017 || Übersetzer: Diverse || 978-3-426-51804-5
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(Verlagstext)
Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt. An ihrer Seite betritt der Leser Area X.
 



Diese Trilogie hatte ich schon mal auf dem Schirm, als sie erstmals beim Kunstmann Verlag erschienen ist, sie dann aber wieder aus den Augen verloren. Als ich nun letztens günstig die Knau Ausgabe entdeckte, dachte ich, es ist Zeit, sie Reihe näher in Augenschein zu nehmen.

Willkommen in Area X
Das Grundgerüst dieses Buches ist denkbar einfach: In den USA hat sich ein geheimnisvolles Gebiet mit mysteriöser Fauna und Flora ausgebreitet, genannt Area X. Nachdem bereits elf Expeditionen diesem Ort kaum Geheimnisse entlocken konnten, soll nun eine zwölfte Expedition diese lüften. Als Leser ist man natürlich sofort Feuer und Flamme und unglaublich neugierig, was mit Area X aus sich hat. Glücklicherweise wird auch nicht lange gefackelt. Schon auf der ersten Seite begibt man auch an der Seite der Expedition in das mysteriöse Area X.

Auf den ersten Blick ist es dann doch gar nicht so mysteriös. Ich hatte mir (vielleicht ausgehend vom Cover und durch zu viel Einfluss von Film Nausicaä aus dem Tal der Winde) eine total verrückte Flora und Faunawelt vorgestellt. Sowas wie Baumgroße Riesenpilze, Bäume in komischen Farben wie rot oder blau, übergroße Tiere oder völlig neue Tierarten. Sowas halt.
Area X hingegen scheint auf den ersten Blick "einfach" nur ein Ort zu sein, an dem sich die Natur zurückholt, was der Mensch ihr genommen hat. Doch schnell wird klar, der Schein trügt. Auch wenn vielleicht keine lila Karnickel vorbeihoppeln, geht in Area X etwas Geheimnisvolles vor sich, etwas Dunkles und Bedrohliches. Der Autor schafft es sehr gut dieses Gefühl der drohenden Gefahr, das Damoklesschwert, das beständig über Area X schwebt, darzustellen. Trotz idyllischer Natur, spürt man auch als Leser die Gefahr, die in diesem Gebiet ausgeht und das entfacht die Neugier darauf zu erfahren, was da los ist, nur noch mehr, weshalb die 240 Seiten ratzfatz weggelesen sind.

Das Rätsel von Area X

Vielleicht wundert ihr euch, warum ich bisher nur von "Die Protagonistin" geredet habe. Nun das liegt daran, dass eine Besonderheit dieses Buches ist, dass keine Namen genannt werden. Das Buch ist der schriftliche Bericht einer der Expeditionsteilnehmerinnen und in diesem werden alle, sie eingeschlossen, auf Anweisung nur mit ihrem Beruf angesprochen: die Psychologin, die Anthropologin, die Landvermesserin und die Protagonistin: die Biologin.

Darüber hinaus war uns dringend davon abgeraten worden Namen zu benutzen. Wir sollten uns auf unsere Aufgaben konzentrieren, und »alles Persönliche sollte zurückgelassen werden«. Namen gehörten in die Welt, aus der wir gekommen waren; in Area X hatten wir alle nur eine Funktion.
Jeff VanderMeer: Auslöschung, Knaur Verlag, S.14

Durch diese Form des Erzählens, entstand eine etwas distanzierte, wissenschaftliche Atmosphäre, die ich auf der einen Seite begrüßte, da sie das Gefühl der Bedrohung nur noch verstärkte, die mir aber auf der anderen Seite auch den Zugang zu den Charakteren erschwerte. Während ich mit der Protagonistin nach einer Weile zumindest etwas warm wurde, blieben alle anderen Charaktere für mich zu blass.

Ein anderer Punkt, der mir missfallen hat, war, dass Auslöschung tausende von Fragen aufwirft, aber keine wirklich beantwortet. Sicher, ich weiß, es handelt sich um eine Trilogie, nichtsdestotrotz hätte ich gerne wenigstens ein paar Brotkrumen hingeworfen bekommen. Stattdessen werden die Ereignisse in Area X mit jeder Seite wirrer und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich alles verstanden habe. Die Szene unten im "Turm" mit dem "Wesen" bereitet mir auch im Nachhinein noch Kopfzerbrechen. Überhaupt habe ich das Gefühl, jetzt nach Beenden des Buches keinen Deut schlauer, dafür aber um etliche Fragen reicher zu sein. Zwar bin ich dadurch neugierig auf den zweiten Band, wenn ich dort aber nicht ein bisschen mehr erfahre, wird's der dritte Band wohl nicht werden.

Ein Buch, das mich zwiegespalten zurück lässt. Auf der einen Seite faszinierend, atmosphärisch und mit unglaublicher Sogkraft, auf der anderen Seite anstrengend und verwirren. Ich hoffe auf Besserung und Antworten im zweiten Band der Trilogie.





(Zur Kunstmann Verlag Ausgabe)



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2 Kommentare

  1. Grüße,

    ich habe das Buch auch erst letztens auf meinem Sub Wiedergefunden. ^^ Und will es nach der Netflix-Verfilmung schon eine Weile lesen. Bin gespannt ob ich es auch so verwirrend finde. Bei der Verfilmung hat mir jedenfalls ziemlich viel gefehlt. Hast du ihn schon gesehen?

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Huhu,
      ne habe ich noch nicht, habe ich aber noch vor. Ich hoffe ja, dass vielleicht durch die Kombination von Film und Buch manche Dinge vielleicht klarer werden xD

      LG Sandra

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