[Rezension] Hollow Kingdom: Das Jahr der Krähe von Kira Jane Buxton

Fischer TOR || Orig. Hollow Kingdom || 1/?*  || 368 Seiten
Et.: 27.05.20 || Übersetzer: Henning Ahrens || 978-3-596-70527-6

* Die Autorin hat in einem Interview bekannt gegeben, dass sie schon eine Fortsetzung geschrieben hat)

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(Verlagstext)
Als Big Jim ein Auge aus dem Kopf springt und er aufhört, mit seinem Bloodhound Dennis spazieren zu gehen, ahnt die domestizierte Krähe S.T., dass irgendetwas nicht stimmt. Aber es kommt noch schlimmer: Ganz Seattle verwandelt sich binnen Kurzem in ein Trümmerfeld, Nachbarn wechseln in den Berserkermodus und bringen sich gegenseitig um, und sogar das Fernsehprogramm fällt aus. S.T. und Dennis beschließen, nach dem Ursprung der Katastrophe zu suchen, und begeben sich auf eine Odyssee durch die zerstörte Stadt ...

Bei diesem Buch wurde das Originalcover übernommen, was für mich auch eine gute Entscheidung ist. Als Erstes sticht einem natürlich die grellgrüne Farbe ins Auge, aber die passt auch irgendwie zum Buch, da grün auf der einen Seite für Natur steht, die hier wieder auf dem Vormarsch ist, aber in der grellen Form auch für Gift und Gefahr stehen kann. S.T., Dennis und die Silhouette von Seattle tun dann ihr Übriges ein hübsches, rundes, auf die Geschichte abgestimmtes Cover zu schaffen.


 
Pets meets The Walking Dead, damit bewirbt der Verlag diese Neuerscheinung. Eine skurrile Kombination, wie ich finde und sie machte mich auch gleich neugierig, sodass ich mir Hollow Kingdom nicht entgehen lassen konnte.


Apokalypse durch Krähenaugen (und auf Hundepfoten)
Bücher über Zombieapokalypsen sind ja nun bei Weitem nicht neu. Doch was passiert, wenn niemand überlebt, um die Geschichte erzählen zu können? Dead men tell no tales, wie es der Pirat so schön sagt. Nun, in diesem Fall muss halt eine Krähe ran und was für eine.
S.T. (Abkürzung für ein höchst unanständigen Namen) ist eine zahme Krähe, die bis dato zusammen mit dem trotteligen Hund Dennis bei dem Misanthropen Big Jim lebte. S.T weiß daher alles über Bierdosen, Sportsendungen und richtiges Fluchen und sieht sich selber mehr als Mensch, denn als Schwarzschwinge und will mit den anderen Tieren auch nichts zu tun haben. 
Ich muss zugeben, ich brauchte eine Weile um mich an S.T.s Art zu gewöhnen und fand seine Art zu reden bez. denken zunächst sehr aufgesetzt. Nach einer Weil legte sich das dann aber (oder ich gewöhnte mich auch nur daran, ganz genau, kann ich das nicht mehr sagen) und die vorlaute Krähe wurde mir doch zunehmend sympathisch.

Gut gelungen fand ich die Beziehung zwischen S.T. und Dennis. Eine auf einem Bluthund reitende Krähe, die ebenjenen Hund Kommandos gibt, geben schon ein seltsames Paar ab, wie sie so auf der Suche nach gesunden Menschen durch das apokalyptische Seattle streifen. Trotzdem war es herzergreifend, wie die beiden sich immer mehr als Familie betrachtete. Hund und Krähe gegen den Rest der Welt. Denn auch wenn die Zombies wenig Interesse an Tieren haben, viele Hundemeuten und ausgebrochen e Zootiere wie Tiger, machen es dem ungleichen Paar nicht leicht und die Beiden haben alle Pfoten und Flügel zu tun, um am Leben zu bleiben. Für spannende Momente und Aktion ist in diesem Roman definitiv gesorgt.


 Der ewig mahnende Zeigefinger
Leider  machen gute Actionszenen und ein unterhaltsamer Protagonist allein noch kein grandioses Buch, die Handlung muss ebenso überzeugen und die lässt nach den ersten 100 Seiten leider deutlich nach. Ein Problem ist, dass man als Leser nicht so genau weiß, worauf das Ganze hinauslaufen soll. S.t. und Dennis schlagen sich so von einer Situation zur nächsten durch, es fehlt aber ein übergreifendes langfristiges Ziel.
Ein weiterer Punkt, der mir missfallen hat, war zudem der ewig erhobene Zeigefinger in diesem Roman. Die Autorin will offenbar, dass auch der letzte Depp eine einzige simple Botschaft versteht: Natur toll, Mensch schädlich! Sie zeichnet dabei ein doch sehr naives und undifferenziertes Bild der Mensch-Natur-Beziehung. Sicher, dass die Menschheit dem Planeten erheblichen Schaden zugefügt hat, ist unbestreitbar und dennoch, alles darauf runter zu brechen, dass die Natur sich innerhalb von einem Jahr, nachdem der Mensch zum Zombie wurde, wieder supi-dupi erholt hat und jetzt für den Planeten alles bestens läuft, ist doch arg vereinfacht. An mehreren Stellen wird dann noch schnell Feminismus mit reingeworfen, der an den entsprechenden Stellen sehr konstruiert eingeschoben wirkte, was die Bedeutung dieses wichtigen Themas leider verwässert. Versteht mich nicht falsch, in beiden Fällen kritisiere ich nicht die Botschaft an sich, sondern die dumpfe Art, wie sie zu vermitteln versucht wurde.

Die Begründung dafür, wie die Menschen zu Zombies wurden, war dann leider ebenso flach und ehrlich gesagt absolut lächerlich. Ironischerweise ist es genau das, was Verschwörungstheoretiker auf den aktuellen Protesten gerade vermuten: 5G ist an allem Schuld, halleluja!



Der Ansatz dieses Romans ist klasse und weiß durchaus zu unterhalten, an vielen Stellen hatte ich viel Spaß mit Hund und Krähe. Auch die Botschaft die, die Autorin vermitteln möchte ist sicherlich wichtig, leider jedoch stark vereinfacht und wird dem Leser quasi eingeprügelt. Darunter leidet dann auch die Handlung, da bis auf das Vermitteln der "Moral von der Geschichte" kaum ein roter Faden bleibt.


 


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Der Beutelwolf    


Dieser Beitrag ist, aufgrund der Links und des kostenlos zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplar gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung gekennzeichnet. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.





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